Dienstag, 31. März 2009
Der Wert des Systems II: Warum Deutschland nicht Utopia ist !
Doch Hartmut Mehdorn schaffte den Spagat zwischen den öffentlichen, politischen und wirtschaftlichen Interessen die hinter diesem Konzern standen und stehen, und machte aus der Deutschen Bahn ein profitables Weltunternehmen. Dies wurde niemals wirklich gewürdigt und es ist eine Schande, dass eine Preiserhöhung um sieben Prozent mehr Gewicht hat, als der Verdienst von Milliarden von Steuern die eingespart wurden. Nun als krönenden Abschluss ist er auch noch über des Deutschen liebstes Streitthema den Datenschutz gestolpert und, nach einigem wanken, auch gestürzt. Warum? Nicht etwa weil die Datenabgleiche gesetzeswidrig waren, bis heute wurde keine Anklage erhoben, sondern einfach weil es in das Bild des Unsymphaten Mehdorn gepasst hat.
Der Fall Mehdorn in Verbindung mit der Deutschen Bahn an sich, zeigt sehr gut, wie kurzfristig und beschränkt die Denkweise vieler Deutscher leider ist. Was populär ist, wird geschätzt, was sinnvoll, vernünftig aber auf den ersten Blick unbequem ist, wird geächtet.
Das ist die Überleitung zu dem eigentlichen Thema. Vor ein paar Tagen kam in einem Internetforum nach einer Polittalksendung das Thema auf Volksentscheide. Gerade Alt- Kommunisten und Sozialisten aus dem Lager der Linken, verweisen gerne auf eine „Scheindemokratie“ die hierzulande herrscht. Mal abgesehen davon, dass es ziemlich absurd ist, sich von den Genossen Gysi und Co. anhören zu müssen, dass wir in Deutschland im Prinzip gar keine Demokratie haben, hat eine Demokratie an sich nicht zwingend etwas mit der direkten Einflussnahme des Volkes zu tun. Es gibt den Weg der indirekten Einflussnahme, man kann denjenigen oder diejenigen wählen von denen man überzeugt ist, dass sie die Meinung und Überzeugung des Einzelnen am Weitesten teilen. Mehr nicht. Und das ist auch gut so.
Der Grund liegt auf der Hand. Schon Winston Churchill erkannte dies, als er sich in einem für ihn typischen Moment der Echauffierung zu der Aussage hinreißen ließ: „Das beste Argument gegen die Demokratie, ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem Durchschnittswähler“.
Traurig, aber wahr. Gerade die momentane Wirtschaftskrise liefert wieder Argumente gegen Volksentscheide am laufenden Meter. Der Begriff „Systemrelevanz“ ist den meisten Wählern so geläufig wie die Forstwirtschaft in Sibirien, weswegen sich ihnen auch die Milliarden die für die Banken, wie beispielsweise die HRE, bereitgestellt werden, als pure Verschwendung darstellt. Das mit einem Zusammenbruch der HRE auch ihre Kommune, ihre Ersparnisse und Renten dran glauben müssten oder könnten, ist ihnen nicht bewusst, es interessiert sie auch nicht - Die Informationsgranate Bildzeitung reicht.
Stellen wir uns vor es gäbe ein Land in dem „Demokratie“ so wörtlich wie nur irgendmöglich genommen wird (Demos gr. Das Volk, „Herrschaft des Volkes“), nenne wir es mal ‚Utopia’. Es würde zur Debatte stehen ob die Mehrwertsteuer erhöht werden soll. Nachdem sich alle Einwohner von Utopia intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt haben, Gespräche mit Experten geführt haben und sich objektiv ein Gesamtbild verschafft haben, schreiten sie zur Abstimmung. Mit einer überwältigenden Mehrheit wird der Erhöhung zu gestimmt. Ein paar waren dagegen, sie bezweifelten mit guten Argumenten dass dies der richtige Weg sei, machten auch einige konstruktive Alternativvorschläge und entschieden für sich dann dagegen zu stimmen. Doch wie gesagt: Der Erhöhung wurde zugestimmt. Auf manche Familien kommen zwar jetzt harte Zeiten zu, doch da der Staat zu wenig Geld hat und sie ihren Kinder nicht die Zukunft mit Schuldenbergen zubauen wollen, haben sie diese weise Entscheidung getroffen.
Szenenwechsel: Wir befinden uns in Deutschland. Es stehen gleich fünf Abstimmungen an einem Tag an. ‚Mehr Geld für die Ärzte und Krankenhäuser?’; ‚Mehr Geld für Bildung und Schulen?’; außerdem auch ‚Mehr Geld für Hartz 4 Empfänger’; ‚Mehr Geld für regenerative Energien ?’ und natürlich auch ‚Sparen durch Schuldenbremse?’.
Ich lasse mich zu der Prognose hinreißen, dass alle Abstimmungen mit einem klaren JA enden würden. Noch Fragen?
Also falls in Zukunft das Thema nach Volksentscheiden, vielleicht über eine Staatsbeteiligung bei Opel wieder aufkommen sollte, bitte nicht auf einen vorschnellen, banalen, wenig durchdachten Standpunkt drängen lassen, sondern mal für eine gewisse Zeit die Meinungs-Bildung und –Äußerung der Deutschen beobachten. Solange wir in Deutschland noch Gewerkschaftsvertreter haben, die allen Ernstes behaupten, dass der Weg der Deutschen Bahn in den letzten zehn Jahren, als weltweit operierendes Logistikunternehmen, mit Millionengewinnen, unweigerlich in eine Sackgasse führt und das der Rückweg zum Kerngeschäft - oder auch Milliardengrab - des Personentransportes gefunden werden muss, kann man nicht erwarten, dass Entscheidungen des gesamten Volkes, die Richtigen und Vernünftigen sind.
In diesem Sinne, ein Hoch auf Winston Churchill !
Montag, 23. März 2009
Die Mediale Verrohung am Beispiel Planet Radio
Die Diskussion um ein Verbot von Killerspielen hat momentan wieder Hochkonjunktur. Es braucht offensichtlich immer ein sehr dramatisches Ereignis (Winnenden) um den Focus von Politikern und Gesellschaft auf schon lange gärende Probleme zu richten. Doch Counter Strike, Call of Duty und Co, stehen in der Debatte nur stellvertretend für ein viel schwerwiegenderes Problem: Der Diplomat mag es mit medialer Verrohung beschreiben, zunehmende Verdummung der Jugend trifft es wohl eher. "Verdummung", ach du Schreck, welch harte Wortwahl, viel zu trivial, mit Vorurteilen behaftet, ja gerade zu gemein gegenüber Teilen der deutschen Jugend. Mag sein, sicherlich trifft es auch nicht auf Alle und Jeden zu, doch insgesamt kann man ohne Zweifel sagen, das Niveau der Jugend geht auf Tauchstation, der Anspruch säuft gleich mit ab.
Die TV-Quoten Renner der Zielgruppe 14-29 sind das RTL Dschungelcamp, eine Anlaufstelle für gescheiterte Existenzen und Erfolglose in allen Bereichen, die Sendung Popstars, bei der man den Eindruck einer Verbindung zwischen sinkendem IQ und steigendem Gesangstalent nicht mehr los wird und natürlich die alles überstrahlenden Seifenoperetten, bei denen es übrigens der ein oder andere als "Aufsteiger" in das Dschungelcamp geschafft hat. Zufall?
Doch auch ein Bereich, der eigentlich geradezu "Verdummungssicher" schien, wird zunehmend infiziert - Das Radio. Man muss diese Leistung durchaus würdigen: Radio besteht hauptsächlich aus Musik, klar, wenn ich mein Radio einschalte erwarte, bzw. wünsche ich, Musik zu hören. Egal ob Klassiker, Pop&Rock oder Black Music, die Klänge beherrschen dieses Medium. Doch es gibt eine grässliche Ausnahme: Planet Radio. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, mir persönlich gefällt der Sound gut. Wer mir regelmäßig eine Mischung aus ungläubigem Schmunzeln und purem Unverständnis beschert, sind all die, die in dieser Hochburg der Niveaulosigkeit vor ein Mikro gelassen werden.
Es beginnt mit der Morning-Crew in Person von Matze und Doppel-Desi. So. Doppel-Desi. Falls man mal kurz die Gedanken schweifen lässt und sich überlegt warum sich diese junge Frau den Künstlernamen Doppel-Desi angeschafft hat, kommt es zwangsläufig, zumindest bei allen männlichen Wesen, zu dem Gedanken an 'Doppel-D'. Ich habe mir mit einem Schmunzeln gleich klar gemacht, dass sich doch wohl keine Frau der Welt im Radio so einem Künstlernamen zulegen würde, wenn sie auch nur annähernd als ernsthafte, vielleicht sogar seriöse Moderatorin wirken will. So oberflächlich kann sie nicht sein - Tja ich lag falsch, wer sich davon selbst überzeugen möchte: Planetradio.de.
Aber das ist nur der Anfang, der Anchormann des Morningprogrammes ist nämlich 'Matze'. Und er ist der Star der Sendermoderatoren. Erreicht hat er diesen Status durch seine enorm witzigen und geistreichen Programme, zum Beispiel 'Machts Matze?', in denen er lustige, kurzlebige Aufgaben gestellt bekommt, sich zum Beispiel eingeölt in fremden Haare zu wälzen oder aber einen ganzen Tag im Fahrstuhl zu leben - ein lustiger Vogel dieser Matze. Seit neuestem lässt er die Planethörer über sein Leben bestimmen. 'My Matze' heißt das Ganze. Eine Abstimmung der User war: "Soll Matze kiffen?". Man kann sich nur schwer entscheiden, was daran nun das eigentlich wirklich Hirnlose ist. Das in einem öffentlichen Radiosender, für alle Menschen in Deutschland grundsätzlich zu empfangen, ganz ungeniert dazu aufgerufen wird, ob jemand Drogen nehmen soll oder nicht, oder aber der Fakt, dass es offensichtlich tausende von jungen Menschen hierzulande gibt, die tatsächlich daran geglaubt haben, dass es wirklich realistisch ist, dass jemand nach Ankündigung kifft. Wie absurd wäre es denn, wenn ein Radiomoderator nach einer mehrtägigen Abstimmung, mit dem Ergebnis 'ja', kiffen müsste und das natürlich live im Radio. Wie würde er das rechtlich und moralisch rechtfertigen? Das alles hat die Planethörer nicht gestört sie stimmten fleißig ab. Zu Tausenden griffen sie zum Hörer. Das Ergebnis war übrigens ein knappes 'Nein' - hach wie anständig die Kinder doch sind.
Doch der Tag geht ja noch weiter. Das nächste heiße Eisen des Intellektes im Team von Planet Radio, heißt Sebastian. Auch er hat interessante Rubriken. 'Bastipedia' eine charmante Anlehnung an die Wissensseite Wikipedia, von der vermutlich 50% des Publikums niemals gehört hat. Doch bei Bastipedia geht es um, Zitat: "Sebastians völlig unnützes Wissen" Zitat Ende, deswegen wird es auch gerne gehört. Letzte Woche gab es zum Beispiel den Beitrag "Hauptstädte", darin wurde gesagt, dass in manchen Ländern die Hauptstadt, nicht gleichzeitig der Regierungssitz ist. Aha, durchaus interessant und auch wissenswert, einfach Allgemeinbildung, man muss es nicht wissen aber es ist auch kein Nachteil. Also wie um alles in der Welt kann man die Dreistigkeit besitzen das als 'völlig unnützes Wissen' zu titulieren? Doch damit nicht genug. Kommentiert wird das ganze vom Moderator locker leicht "ja dafür gabs dann früher in der Schule die Streberpunkte". Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Lern- und Bildungsverweigere dieser Gesellschaft. Wissen, Bildung ist out, etwas für Streber - so wird es doch allen Ernstes im meistgehörten Radio der unter 30jährigen dargestellt? Dagegen sind Killerspiele doch wirklich ein Witz.
Gekrönt wird das tägliche Programm der Belanglosigkeit, von Dani. Sie ist die Talkqueen am Nachmittag. Das einzig positiver an ihr ist, dass sie Dauerquäker Rob Green ersetzt hat. Ansonsten bleibt sie durch brillante Wortspiele wie "Bis dani" (als Verabschiedung), primitiv - prolligen Humor und durch ihre hervorragende Ausdrucksweise in Erinnerung. Die einzigen Sätze die sie wirklich sattelfest hervorbringt, sind die ihr aus Szenegründen aufgezwungene Anglizismen, wie "stay tuned". Ist aber auch verständlich, dass der an der deutschen Sprache gescheiterten Jugend eine Alternative angeboten werden muss, zum Beispiel Englisch ersatzweise, allerdings nicht zu anspruchsvoll, kurze prägnante Ausdrücke. Eine Bildungsoffensive Marke Planet.
Was bleibt also insgesamt zu sagen? Es ist ein Wegweiser in die Zukunft der jungen Gesellschaft. Wenn mittlerweile Radiosender, respektive, Moderatoren die als Vorbilder zu den Teenies und Jung-Erwachsenen sprechen, sich dem Verfall von Sprache, Werten und Kultur völlig hingeben dann ist das sehr bedenklich. Ein Verbot von Killerspielen würde sicherlich Amokläufe nicht verhindern, ein Verbot von Planet Radio wäre eine wirkungsvolle Option, die "mediale Verrohung" zu bremsen.
Donnerstag, 19. März 2009
Silvester Stallone zählt sicherlich zu den bekanntesten Hollywoodfiguren der letzten 30 Jahre. Trotz weniger schauspielerisch überzeugender Auftritte und mehreren Filmen die man getrost in die Kategorie B-Movie einordnen kann, hat er es zu einer Ikone des amerikanischen Action-Genres geschafft. Diesem sagt man ja eine gewisse Primitivität nach, in einem richtigen Actionfilm geht es nicht um tiefgründige Analysen von gescheiterten Persönlichkeiten; Zwischenmenschliche Beziehungen werden auf ein Minimum reduziert und auch die Bereiche Logik und Realismus werden, manchmal mehr, manchmal weniger charmant und augenzwinkernd, vernachlässigt. Das soll nicht heißen, dass jeder Actionfilm schlecht und den Eintritt ins Kino nicht wert ist, doch ist man sich vorher bewusst, dass kein aufwühlender, verstörender Mix aus Emotionen und Eindrücken zurückbleibt, sondern allerhöchstens eine gehörige Ladung Adrenalin, hervorgerufen durch den Finalen Showdown mit vielen Explosionen.
Doch es gibt Ausnahmen. Und sie tauchen dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet: "John Rambo". Wie zu erwarten spielt der eben angesprochener Sylvester Stallone die Hauptrolle, genau wie in den drei vorherigen "Rambo" Filmen. Der Film war ein voller Flop, sowohl die Zuschauerzahlen als auch die Kritiken waren miserabel. Schlechte Schauspieler, schlechtes Drehbuch, übertrieben brutal - schlichtweg ein wirklich mieser Streifen. Allerdings beinhaltet er einen Satz der mehr Philosophie enthält als man ihm zugestehen möchte.
Als John Rambo und seine Begleiter in einer schier ausweglosen Situation sind, umzingelt von Feinden, haben sie entweder die Möglichkeit sich ihren Feinden zu ergeben oder aber weiter für ihre Ideale zu kämpfen. Da nun diese schwere Entscheidung ansteht, kommt es zu einer Diskussion. Die Gruppe ist gespalten. Da sagt ein verschwitzter, dreckiger und erschöpfter Sylvester Stallone mit grimmiger Miene: "Leben für nichts oder für etwas sterben".
Ich gebe zu im ersten Moment wirkt es ein wenig grotesk. Und doch war dieser Satz der Anreiz für diesen Post. Denn das faszinierende für mich an dieser Aussage ist, dass sie so philosophisch und doch so simple zugleich ist. Und sie ist exemplarisch für jeden Menschen und seinen Bezug zur Philosophie. Sicher war es nicht die Intention des John Rambo seinen Sinn des Lebens zum Ausdruck zu bringen - Und doch hat er es getan. Überleben ist es nicht. Für ihn ist es wichtiger, dass sein Leben einen Sinn hat bzw. hatte, als sinnlos, ohne Ideale, Ziele oder Träume vor sich hin zu existieren. Doch hat er nicht genau definiert was "für etwas sterben" für ihn bedeutet. Es wäre vermutlich auch nicht passend gewesen, hätte er diesen ohnehin schon absurden Anflug von Philosophie unnötigerweise weiter vertieft. Das Entscheidende ist: Er hat "philosophiert" ohne sich dessen bewusst zu sein. Ein Phänomen, das so alltäglich ist wie Meckern, Jubeln, Lachen, Weinen. Die Philosophie ist präsenter als die meisten Menschen es für möglich halten, sie ist ein fester Teil unserer Gesellschaft und jedes einzelnen Menschen.
Philosophie ist so alt wie die Menschheit selbst. Es ist wohl die stagnierendste Wissenschaft von allen, in der in den letzten zweieinhalb tausend Jahren nicht eine verlässliche Antwort gefunden wurde. Es ist zwar ein Wandel innerhalb der Philosophie entstanden, von den grundlegenden Fragen "Warum gibt es uns?" und "Was ist der Sinn dahinter?" zu Zeiten von Sokrates und Plato, hinzu den konkreteren Aussagen auf abgewandelte Fragen von Kant, Descartes und Freud "Was ist Ich?" und "Kann ich wollen was ich will?". Man könnte sagen, dass auch die wohl am ungreifbarste, um noch einen Superlativ zu verwenden, Wissenschaft, mit der Zeit pragmatischer wurde. Den Sinn des Lebens zu finden erschien den Philosophen der Neuzeit ebenso veraltet wie voreilig- Bevor der Sinn meines Lebens gesucht wird, muss ich erst einmal wissen wer oder was ich bin ! Wenn ICH nicht weiß wer oder was ICH bin, kann ich für MICH auch nicht definieren, was mein Leben für einen Inhalt hat. Bevor ich über die Anwendung oder den Gebrauch einer Maschine nachdenke, muss ich doch erst einmal wissen um was für eine Maschine es sich handelt.
Trotz ihrer Erfolglosigkeit, wenn man sie denn auf handfeste Resultate beschränken möchte, hat die Philosophie niemals ihren Charme verloren. Wie gesagt wissen die meisten Menschen gar nicht bzw. sind sich gar nicht bewusst, dass Philosophie viel präsenter ist als sie denken. Welcher Mittvierziger hat sich noch nicht wehmütig an die wilde Jugend erinnert während er sich an einem verregneten Dienstag Nachmittag auf dem Heimweg zu seiner gleichermaßen genervten wie desinteressierten Frau befindet, die sowohl mit der kaputten Waschmaschine als auch mit den beiden stark pubertierenden Töchtern stark zu kämpfen hat. Einfach alles hinschmeißen und sich ganz egoistisch selbst mal wieder als den Lebensmittelpunkt definieren - Keinen langweiligen Job, keine nervende Frau, keine völlig missratenen Kinder mehr. Der Film American Beauty war auch deshalb so erfolgreich, weil er aus der ehemals "verstaubten" Philosophie, Hollywood reifes Material gemacht hat, auch wenn sie sicherlich nicht die Grundidee des Filmes ist. Dennoch, das Wort 'Midlife-Crisis' platz förmlich vor Philosophie.
Sie ist allgegenwärtig, oftmals ist uns gar nicht bewusst, dass wir philosophieren. Das liegt daran, dass wir dies oft als Träumereien abtun. Fragen die allzu grundlegend an den Pfeilern einer Existenz rütteln, werden schnell aus Angst vor sich selbst wieder verworfen. Der eben natürlich sehr plakative Fall vom sinnentleerten und unglücklichen Leben des Mittvierzigers ist ein gutes Beispiel. Nach wenigen Minuten der Träumerei über die wilden Sommernächte der 80er, in denen er frei und glücklich sein Leben gelebt hat, wird er sich schnell wieder selbst zurück in die Realität holen und sich bewusst machen, dass diese Zeiten vorbei sind - ein für allemal. Jetzt bestimmen Familie und Beruf sein Leben. In seinem Fall ein langweiliger Beruf und eine Familie die mehr Stress als Geborgenheit produziert. Aber ausbrechen daraus? Unmöglich- Verantwortung gegenüber seiner Frau und seinen Kindern. Die alten Zeiten aufleben lassen, dass kann Kevin Spacey wenn er vor der Kamera steht, der Mittvierziger kann es nicht.
Aber ist das wirklich so? Ist es wirklich der Sinn SEINES Lebens die restlichen 30-40 Jahre seines Lebens damit zu verbringen seiner Verantwortung gegenüber der Furie von Frau und den verzogenen Gören gerecht zu werden? Sollte er nicht das tun, von dem er glaubt, dass es ihn glücklich macht, nicht nur für den Moment sondern auch langfristig?
Das ist die typische Alltagsphilosophie eines jeden. Sie fällt unterschiedlich aus, ein Beispiel ist das des Mittvierzigers, ein Anderes könnte ein todunglücklicher Teenie sein, dem nach einer Abfuhr seines Schwarms der ganze Trott um Schule und schimpfende Eltern zu viel wird.
Die Philosophie hat auf all diese Fragen keine Antworten parat, aber sie bietet jedem die Möglichkeit, sie zu finden.
Der Sinn des Lebens? Eine Antwort auf diese Frage ist so lange zweitrangig, solange man ein erfülltes Leben führt. Und das ist der Schlüssel. Erfüllt bedeutet für jeden etwas anderes- manche streben nach Glück allein, andere wollen etwas bewegen in ihrem Leben, wieder andere widmen ihr Leben einer ganz bestimmten Sache, beispielsweise dem Glauben. Jeder Mensch braucht Mittelpunkte in seinem Leben, auf die er sein Leben aufbauen kann, die ihm einen Sinn geben.
Die Crux an der Geschichte ist: es ist schwieriger als man meinen möchte diese Punkte für sich selbst zu finden. Sie zu finden ist eine Lebensaufgabe und erfordert viel Aufwand und Zeit. Im Prinzip ist das Suchen nach ihnen schon der erste Mittelpunkt.
Mittwoch, 18. März 2009
Lernstress nervt. Klausurenstress kann die Stimmung einer ganzen Woche ruinieren. Mann ist unausgeglichen, sobald man fertig mit dem Lernen ist, kann man sich zwar etwas anderem widmen, abschalten allerdings nicht. Vor knapp einem Jahr begann bei mir die Phase der Abiturvorbereitung, Stress, Unsicherheit, schlechte Laune - das war das tägliche Bild.
Im Nachhinein kann ich nur sagen: was für eine schöne Zeit! Denn was momentan mein Leben als Schulersatz bestimmt, ist weitaus schlimmer. Viel schlimmer.
Als ich am 21.12.07 dann auch meine Vorladung zum Kreiswehrersatzamt hatte, war die Planung für mich eigentlich klar. Nach der stressigen und lernintensiven Kollegstufenzeit, sah ich in der Zivildienstzeit die Möglichkeit, noch einmal ein bisschen abzuschalten, bevor dann das Studium losgeht. Acht Stunden arbeiten, danach die Zeit genießen, ohne Klausuren oder Ähnlichem im Hinterkopf. Also keine der vielen Ausmusterungsratschläge befolgt, nein, gleich auf Zivildienst plädiert, und wie nicht anders zu erwarten, T2 gemustert. Kurze Zeit später hatte ich meine Stelle in einem Seniorenzentrum - Haustechnik, versteht sich. Außerdem, so war der damalige Gedankengang, könnte es ja nicht schaden, wenn ich, handwerklich eher weniger versiert, für mein späteres Leben ein bisschen praktische Erfahrungen sammle. "Damit du dann später mal deine Wohnung selber tapezieren kannst" - ein Spruch den mein Vater geradezu zelebrierte um mir die anstehenden neun Monate als eine möglichst wenig sinnlosen Zeit schmackhaft zu machen.
Die Zivirealität in der ich nun seit sechs Monaten stecke, ist ein Sammelpool aus all dem was mir in den letzten Jahren glücklicherweise erspart blieb. Völlig anspruchslose Arbeit, die weder interessant, noch abwechslungsreich und leider auch nicht wie anfangs erhofft, in irgendeiner Weise für das spätere Leben nützlich. Wäsche-Müll Dienst, Tapeten abkratzen und Dinge von A nach B schleppen - Als Zivi hat man sehr viel Zeit zum nachdenken. Dazu kommt das Phänomen von zu vielen dummen Menschen, die sich darüber leider nicht im Klaren sind und sich deswegen auch keinerlei Gedanken über ihr persönliches Wesen oder Verhalten machen. Ja da hat man es als Abiturient nicht leicht. Sprüche wie "nimm ihm ja de Akkuschrauber ab und gib ihm n Kuli" sind auf dem Bauabschnitt des Seniorenzentrums an der Tagesordnung. Anhören muss man sich das vornehmlich von ostdeutschen Leiharbeitern. Sie halten sich dabei übrigens für unfassbar komisch. Mann muss das verstehen - mit ihrem ostdeutschen Hintergrund, das Abitur noch eher die große Unbekannte.
Das Schlimmste und Gravierendste ist allerdings die völlige Anspruchslosigkeit. Man ist sich als Schüler gar nicht bewusst, wie sehr man sich an die ständige Beanspruchung gewöhnt und wie sehr man sie zum persönlichen Gleichgewicht braucht. Natürlich sind sechs Wochen Sommerferien eine Wohltat. Doch ein Zeitraum von sechs oder mehr Monaten ohne jegliche geistige Beanspruchung ist eine Qual. Kein Denkeinsatz nötig. Kein Hinterfragen. Keinerlei tiefgründiges Handeln. Gekrönt von der alles überragenden Anweisung "Kein eigenständiges Denken". Worauf man sich während der Abistress-Zeit freut und als entspannte fröhliche Zeit sieht, wird danach zur eintönigen Einöde.
Also an alle Gestressten, an Schulstoff Verzweifelnden und an alle die nicht abschalten können - ich hoffe ihr wisst es zu schätzen.
Sonntag, 15. März 2009
Der Wert des Systems
Die Investment Bank Hypo Real Estate, in den Fachblättern kurz HRE, ist ein schwieriger Fall. Ein nicht enden wollendes Trauma des Turbo Kapitalismus, dessen Popularität auf einem erschreckend tiefen Niveau angekommen ist - Um Missverständnisse zu vermeiden: zurecht. Die HRE hat durch höchst risikobehaftete, mehr oder weniger nachvollziehbare Aktivitäten am Geldmarkt der globalisierten Welt, Milliarden verzockt. Die Größenordnungen sprengen sowohl die Vorstellungskräfte des Normal-Deutschen, als auch des ein oder anderen, an sich durchaus als Fachmann einzustufenden, Experten.
Doch keine Angst: unser, durch, für einen Mann seine Ranges, außergewöhnlich platte Stammtischparolen allseits beliebter, Finanzminister Peer Steinbrück, hat es sich zur ganz persönlichen Aufgabe gemacht, um die Rettung der deutschen Volkswirtschaft sicher zu stellen, die HRE zu verstaatlichen. Ein genialer Schachzug. In Zukunft werden von der Regierung bestellte Kontrolleure, die Abläufe innerhalb des operativen Vorstandes überwachen und überprüfen und solch unsägliche und unverantwortliche Geschäfte, welche die enorme Schieflage der HRE verursacht haben, in Zukunft zu verhindern wissen.
"Kompromisslos hält Steinbrück an Voll-Verstaatlichung fest" (Die Zeit 03/09). In einer solch schwierigen Lage braucht das Land eine Regierung (einen Finanzminister), der die Bürger schützt. Laut einer Stern-Umfrage stimmen über 60% der Deutschen für Banken-Verstaatlichungen.
Das alles spricht nicht für die Weitsicht der Deutschen. Offensichtlich geht der Gedankengang der Deutschen, oder zumindest 60% von ihnen, nicht tief genug. Zugegeben: die HRE ist ein spezieller Fall, sie "pleite" gehen zu lassen wäre eine Katastrophe - der erste Dominostein in der Reihe. Die Amerikaner haben ihren ersten Stein "Lehmann Brothers" ziemlich sorglos umfallen lassen, mit verheerendem Ergebnis. Es muss also ein Anliegen sein, dieses, für das Banken- und Finanzsystem als Ganzes, enorm wichtige Geldinstitut zu schützen. Doch eine gleichermaßen simple wie chronisch vernachlässigte Frage, gerade in Zeiten der Finanzkrise, wird dabei übersehen, ja geradezu sträflich außen vor gelassen: um welchen Preis?
Die Frage ist eigentlich mit einem Mindestsatz von fünf Euro ins Phrasenschwein zu begleichen, doch wird ihr das, trotz ihres meist oberflächlichen Rufes, nicht gerecht. Die Frage ist weit aus schwieriger zu beantworten, egal zu welchem Schluss man dann letztlich kommt, als auf den ersten Blick zu erwarten. Tja um welchen Preis? Vielleicht eine kleine Hilfe um die Brisanz der Thematik zu verdeutlichen. Wenn man von Enteignung, oder eleganter, "Vollverstaatlichung" spricht, dann bedeutet dies, dass Menschen gegen ihren Willen, Eigentum abgenommen wird. Zwar werden diese dafür entschädigt, doch wird ihnen ein rechtmäßig erworbener Anspruch auf eine Sache entrissen.
Rechtlich gibt es daran allerdings nichts zu beanstanden. Denn nach Art.14, III, GG ist "eine Enteignung zum Wohle der Gemeinschaft zulässig". Das ist natürlich eine Steilvorlage für jede Maybritt Illner Talkrunde - 'zum Wohle der Gemeinschaft'. Diskussionen über das Wohl der Gesellschaft sind ähnlich lang und aussichtslos, wie ein Sanierungsplan für GM. Fakt ist, das judikative Element für Enteignungen ist gegeben. Deshalb die Frage: wo liegt die Grenze zwischen dem kurzfristigen Wohl der Gesellschaft und der langfristigen Identität einer Nation. Praktisch gesehen: ist es wirklich besser eine Bank, und damit direkt oder indirekt verbunden, Arbeitsplätze, Ersparnisse und, im besonderen Fall der HRE, Bundespfandbriefe zu sichern, wenn dafür ein Grundpfeiler des Grundgesetztes und unseres Landes angesägt wird?
Die soziale Marktwirtschaft hat sich über Jahrzehnte bewährt, sie ist das Resultat aus der Einsicht, dass der reine Sozialismus ebenso untragbar ist, wie der reine Kapitalismus, weder die frei Marktwirtschaft, noch die Planwirtschaft können alleine funktionieren. Enteignungen sind allerdings das Werkzeug der Planwirtschaft. Zum Wohle der gesamten Wirtschaft müssen die einzelnen Individuen nunmal leiden. Man kennt das aus China. Es wird mit größter Empörung aufgenommen, wenn wieder einmal ein Armenviertel, für ein chinesisches Olympiastadion weichen muss - die Allgemeinheit braucht dieses Stadion, ein bisschen mehr Verständnis bitte. Also wo ist der politische Systemunterschied zwischen einer Bank und einem Armenviertel? Ist die Enteignung einer Bank zu abstrakt? Man sieht keine weinenden Mittelständler, denen vielleicht die Altersvorsorge, in Form von irgendwann wieder steigenden Aktienkurse, genommen wird. "Sollen sie die Bänker doch enteignen, die haben ja auch die Fehler gemacht" - ein empörter Leser der Bildzeitung. Er muss in diesem Moment, der brachialen Oberflächlichkeit vergessen haben, dass die Mehrheit der Anteilseigner KEINE Bänker sind, geschweige denn verantwortlich für die gravierenden Fehlentscheidungen. Ihm dies zu erläutern wäre vermutlich eher in die Kategorie verschwendete Mühe ein zu ordnen. Ein Hoch auf die Bildzeitungsleser.
Doch auch Peer Steinbrück, der sicherlich seine politischen Ansichten nicht aus Quellen dieser Art bezieht, hält "kompromisslos" an der Enteignung fest. Es ist ihm, stellvertretend für eine ganze Partei, wichtiger, die Kontrolle beziehungsweise, direkten Einfluss auf eine Bank zu haben, als die soziale Marktwirtschaft mit all ihren Vorzügen "kompromisslos" zu wahren. Kurzfristig mag dies ja noch nachvollziehbar sein. Doch langfristig birgt dies nicht abschätzbare Risiken. Um das Phrasenschwein weiter kräftig zu mästen: wo fängt man an, wo hört man auf? Wenn man erst einmal damit begonnen hat, die Prinzipien unseres Systems zu ignorieren, "nur" um in einer sicherlich schweren Zeit die Wirtschaft mit möglichst wenig Schaden davon kommen zu lassen, dann vergisst man schnell den eigentlichen Sinn dieser Wirtschaftsphilosophie. Warum nicht gleich alle Banken unter die Fittiche des Staates holen? Präventiv, denn wer weiß schon, ob die Deutsche Bank in zehn Jahren immer noch eine solide Bank ist? Dem Ackermann kann man sowieso nicht trauen. Ich erinnere an ein hessisches Wahlplakat der Linken, die, auch wenn das momentan natürlich noch heftig bestritten wird, ab September mit der SPD die deutsche Regierung bilden könnte, auf dem unter einem Foto des Bankenviertels von Frankfurt, "Casino schließen" zu lesen war. Es ist also nicht zu weit hergeholt, wenn man leise Befürchtungen anmeldet, dass es in Zukunft nicht bei einer Enteignung bleiben würde, wenn die Erste voll verstaatlicht worden ist.
Diese Diskussion muss also mit dem Bewusstsein geführt werden, dass solch ein Schritt mehr für unsere Nation bedeutet, als nur eine Option, um der deutschen Volkswirtschaft zu helfen, die Krise zu überwinden. Nein bei dieser Debatte geht es um die Grundpfeiler der Gesellschaft und es sollte mit äußerster Vorsicht an ihnen gearbeitet werden. Sonst stürzt das alles, was aus Trümmern, die dritt reichste Nation der Welt geschaffen hat, ein.
Samstag, 14. März 2009
Eine schwarze Überraschung ?
Was war das für ein Hype um Barack Obama - aber tausende von Menschen ließen sich von ihm dermaßen in Euphorie versetzten, dass man den Eindruck bekam, es handelt sich nicht um einen Politiker, sondern um den Captain eines Football Teams, der mit dem frisch gewonnen Super Bowl Pokal in seine Heimatstadt zurück kehrt. Der Messias der Politik, mit ihm wird alles besser, gleich. Er besiegte im Wahlkampf den rhetorischen Charmebolzen mit vietnam-veteranen Hintergrund aus dem Lager der Republikaner erdrutschartig und das trotz des großen Beliebtheits-vorschusses von John McCain durch seinen Partei Kollegen Bush. Ein paar von euch haben was bemerkt - genau es wäre eine wirkliche Leistung gewesen keinen überzeugenden Sieg zu erlangen. Trotz allem war es beeindruckend diesen Popstar der Politik während seines Wahlkampfes zu verfolgen.
Wer sich etwas Zeit für die politischen Inhalten des Barack Obama genommen hatte, wird nach ca. 30 Sekunden festgestellt haben, das dies ein sehr kurzlebiges Unterfangen ist, sprich die Inhalte lassen sich auf, Zusammenhalt, Optimismus, für alle mehr und “ja das schaffen wir“, zusammenfassen. Ein besseres Gesundheitssystem, Arbeitsplätze schaffen oder halten (wie wird das eigentlich gemessen?), bessere Außenpolitik - Abzug aus dem Irak, egal wie, Hauptsache raus, dafür eine politische Lösung in Afghanistan finden.
Na ja Inhalte sind ja auch nicht so wichtig, er ist ja schwarz, das ist doch alles was zählt. Gerade die afro-amerikanische Bevölkerung sah und sieht in ihm die Rettung ihrer Kultur, einer von ihnen löst all ihre Probleme. Barack Obama wuchs übrigens in guten Verhältnissen auf und brachte die Bilderbuchkarriere mit einem Harvard Studium zu einem frühen Höhepunkt. Aber schwarz versteht schwarz. Kurzum, mit Obama sollte alles besser werden, wie genau, das war zweitrangig, er ist ja so charmant und rhetorisch versiert, jung und sympathisch.
Heute Morgen habe ich eine Artikel gelesen auf den ich schon des längeren warte. Im Time Magazine war die Überschrift zu lesen: "Obama's Reform Agenda: Is He Trying to Do Too Much?". Ein Gedankengang der plötzlich in die Köpfe der amerikanischen Bevölkerung Einzug hält. Die Frage nach den Bedenken vor der Wahl ist wohl mehr als berechtigt. es ist die alte Leier. Menschen beschweren sich über die Politiker, sie lügen, versprechen Dinge die sie nicht halten können - und dann wählen Millionen von Amerikanern einen Mann, der außer schwarzer Haut, und überragender Eloquenz, wenig politisches Kapital anzubieten hat, dafür aber verspricht alles besser zu machen ohne konkrete Strukturen über Wege und Mittel erkennen zu lassen. Aber an ihm zweifeln? Nein, "yes he can".
Aber zurück zum Artikel. Um den Inhalt kurz zusammen zu fassen: in der amerikanischen Bevölkerung breiten sich Zweifel aus, ob Obama wirklich alles das umsetzten kann, was er, mehr oder weniger ernsthaft, geplant hat. Kann er wirklich alle Amerikaner krankenversichern, die Wirtschaftskrise abfangen durch Billionenkonjunkturpakete, Arbeitsplätze schaffen (oder erhalten), den Irak zu einem friedlichen Land machen, Afghanistan auch, natürlich als demokratische Republiken, ach ja und die Gleichberechtigung von schwarz und weiß weiter vorantreiben, was sicherlich auch das Anliegen des ein oder anderen schwarzen Wählers war. Dazu kommt, die Schulden wieder herunter zu schrauben und natürlich den strukturellen Energiewandel zu schaffen. Also ich behaupte, er schafft es nicht ! Wie um Himmels Willen soll er das auch schaffen? Es ist schlicht unmöglich. Die Finanzkrise ist nicht komplett abzufangen, schon gar nicht ohne einen Haufen neuer Schulden, Irak ist weder zu befrieden, noch zu demokratisieren, gleiches gilt für Afghanistan, Gleichberechtigung ist rechtlich schon seit Jahren gegeben, soziale Gleichstellung wird es vermutlich niemals geben und der Energiewandel ist ebenfalls nicht sofort um zu setzten. Das einzige Ziel, das er mit Sicherheit erreichen wird ist Arbeitsplätze zu halten.... oder anders gesagt, wie will man belegen, dass er es nicht erreicht hat? Wie gesagt glänzende Rhetorik ist im nicht abzusprechen.
Das amerikanische Wahlvolk ist nun also auch in der Realität angekommen, viel zu spät. Nicht weil es den falschen Präsidenten gewählt hat, auch ich hätte Obama sofort gewählt, einfach wegen der fehlenden Alternative, sondern weil es ihren 44 Präsidenten mit einer Hypothek der Erwartungen überhäuft hat, der er nicht gerecht werden kann. In Deutschland ist das amerikanische Volk als ganzes ja als naiv, kleinkariert und dumpf verschrien (zu unrecht !!). Ironischerweise wurde während des Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten, der Ruf nach einem deutschen Obama hierzulande immer lauter. Die Deutschen haben genug von Politikern, die im Wahlkampf Dinge versprechen die sie nicht halten, deswegen her mit einem Obama. Wir Deutschen sind genau wie die Amerikaner politisch dermaßen oberflächlich, dass wir vermutlich einen Kandidaten Model Obama ähnlich feiern und wählen würden. Arme deutsche Politiklandschaft. Was ist schon die jahrelange Erfahrung einer Merkel, eines Steinmeier oder eines Westerwelle schon wert? Charme, Eloquenz, blinder Wille zum Wandel, das ist es was ein Politikstar braucht.
Auch in Deutschland. Und 2013 vereidigt Horst Köhler Cem Özdemir. Es ist keinesfalls so abwegig, wie es klingt !
Freitag, 13. März 2009
Erster Post
So nun habe ich also auch den Zugang zu dem neuen Medium Blog gefunden. Auch wenn dieses hierzulande noch lange nicht die außergewöhnliche, auf die Gesellschaft direkt Einfluss nehmende, Position inne hat, wie beispielsweise Nachrichtensendungen oder Zeitungen, so ist es trotz allem auf dem aufsteigenden Ast. Gerade renommierte Internetseiten aus den Bereichen Wirtschaft, Sport und Politik, setzten immer mehr auf diese persönliche Art des Kommentars. Blogger können kritisch, satirisch, frech, gemein oder auch, und das sind sie immer öfter, frei von "political correctness", sein. Das alles tun sie allerdings ohne dumpf, oder falsch informiert zu sein, vielmehr ist es für sie eine Möglichkeit ihre eigenen Ansichten und Überzeugungen anschaulich und einprägsamer "rüber zu bringen". Ein Blog ist allgemein verständlich, mal bringt er einen zum schmunzeln, mal zum nachdenken, meist ist er jedoch eines - mit einer Botschaft behaftet. Das ist die Maxime an der sich auch dieser Blog orientiert. Die Themen sind frei gewählt, mal spontan - mal bewusst.
Der Sinn? Ansichten, Eindrücke, Impression von Gesellschaft, Kultur und dem alltäglichen Leben in die Welt zu bringen. Wobei der Begriff ’Welt’ sicherlich etwas hoch gegriffen ist - zumindest für den Anfang.
Die Motivation des Schreibens - täglich nimmt man Dinge auf, direkt über die verschiedenen Medien der Information, Zeitungen, Radio, TV, indirekt über Impressionen, Kontakte, Gefühle, und in der Regel hinterlassen sie einen Eindruck, mal einen bleibenden, mal nur eine kurzen. Manchmal kann eine Erfahrung so prägend sein, dass man neben der Erfahrung bzw. deren Inhalt selbst, auch den Moment der Mitteilung und der damit verbundenen Gefühle nicht vergisst. Wer weiß noch wo er war, was er tat, als er die Nachricht von den Anschlägen des 11.Septembers erhalten hat? Aber wer kennt nicht die typischen Situationen in denen man eigentlich wichtige Ereignisse, Namen oder Fakten einfach nicht wieder ins Gedächtnis rufen kann. Manchmal ist das Wichtige nicht immer das, das bleibt.
Erinnerungen bzw. Erfahrungen sind also eine sehr subjektive Sache, Dinge bleiben wenn sie beschäftigen. Genau um diese Dinge geht es. Das macht einen Blog aus - er ist subjektiv, persönlich geprägt. Gemäß dem österreichischen Kritiker und Satiriker Karl Kraus: "Gute Ansichten sind wertlos. Es kommt darauf an, wer sie hat".
In diesem Sinne, auf wiederlesen,
Jack