Eine schwarze Überraschung ?
Was war das für ein Hype um Barack Obama - aber tausende von Menschen ließen sich von ihm dermaßen in Euphorie versetzten, dass man den Eindruck bekam, es handelt sich nicht um einen Politiker, sondern um den Captain eines Football Teams, der mit dem frisch gewonnen Super Bowl Pokal in seine Heimatstadt zurück kehrt. Der Messias der Politik, mit ihm wird alles besser, gleich. Er besiegte im Wahlkampf den rhetorischen Charmebolzen mit vietnam-veteranen Hintergrund aus dem Lager der Republikaner erdrutschartig und das trotz des großen Beliebtheits-vorschusses von John McCain durch seinen Partei Kollegen Bush. Ein paar von euch haben was bemerkt - genau es wäre eine wirkliche Leistung gewesen keinen überzeugenden Sieg zu erlangen. Trotz allem war es beeindruckend diesen Popstar der Politik während seines Wahlkampfes zu verfolgen.
Wer sich etwas Zeit für die politischen Inhalten des Barack Obama genommen hatte, wird nach ca. 30 Sekunden festgestellt haben, das dies ein sehr kurzlebiges Unterfangen ist, sprich die Inhalte lassen sich auf, Zusammenhalt, Optimismus, für alle mehr und “ja das schaffen wir“, zusammenfassen. Ein besseres Gesundheitssystem, Arbeitsplätze schaffen oder halten (wie wird das eigentlich gemessen?), bessere Außenpolitik - Abzug aus dem Irak, egal wie, Hauptsache raus, dafür eine politische Lösung in Afghanistan finden.
Na ja Inhalte sind ja auch nicht so wichtig, er ist ja schwarz, das ist doch alles was zählt. Gerade die afro-amerikanische Bevölkerung sah und sieht in ihm die Rettung ihrer Kultur, einer von ihnen löst all ihre Probleme. Barack Obama wuchs übrigens in guten Verhältnissen auf und brachte die Bilderbuchkarriere mit einem Harvard Studium zu einem frühen Höhepunkt. Aber schwarz versteht schwarz. Kurzum, mit Obama sollte alles besser werden, wie genau, das war zweitrangig, er ist ja so charmant und rhetorisch versiert, jung und sympathisch.
Heute Morgen habe ich eine Artikel gelesen auf den ich schon des längeren warte. Im Time Magazine war die Überschrift zu lesen: "Obama's Reform Agenda: Is He Trying to Do Too Much?". Ein Gedankengang der plötzlich in die Köpfe der amerikanischen Bevölkerung Einzug hält. Die Frage nach den Bedenken vor der Wahl ist wohl mehr als berechtigt. es ist die alte Leier. Menschen beschweren sich über die Politiker, sie lügen, versprechen Dinge die sie nicht halten können - und dann wählen Millionen von Amerikanern einen Mann, der außer schwarzer Haut, und überragender Eloquenz, wenig politisches Kapital anzubieten hat, dafür aber verspricht alles besser zu machen ohne konkrete Strukturen über Wege und Mittel erkennen zu lassen. Aber an ihm zweifeln? Nein, "yes he can".
Aber zurück zum Artikel. Um den Inhalt kurz zusammen zu fassen: in der amerikanischen Bevölkerung breiten sich Zweifel aus, ob Obama wirklich alles das umsetzten kann, was er, mehr oder weniger ernsthaft, geplant hat. Kann er wirklich alle Amerikaner krankenversichern, die Wirtschaftskrise abfangen durch Billionenkonjunkturpakete, Arbeitsplätze schaffen (oder erhalten), den Irak zu einem friedlichen Land machen, Afghanistan auch, natürlich als demokratische Republiken, ach ja und die Gleichberechtigung von schwarz und weiß weiter vorantreiben, was sicherlich auch das Anliegen des ein oder anderen schwarzen Wählers war. Dazu kommt, die Schulden wieder herunter zu schrauben und natürlich den strukturellen Energiewandel zu schaffen. Also ich behaupte, er schafft es nicht ! Wie um Himmels Willen soll er das auch schaffen? Es ist schlicht unmöglich. Die Finanzkrise ist nicht komplett abzufangen, schon gar nicht ohne einen Haufen neuer Schulden, Irak ist weder zu befrieden, noch zu demokratisieren, gleiches gilt für Afghanistan, Gleichberechtigung ist rechtlich schon seit Jahren gegeben, soziale Gleichstellung wird es vermutlich niemals geben und der Energiewandel ist ebenfalls nicht sofort um zu setzten. Das einzige Ziel, das er mit Sicherheit erreichen wird ist Arbeitsplätze zu halten.... oder anders gesagt, wie will man belegen, dass er es nicht erreicht hat? Wie gesagt glänzende Rhetorik ist im nicht abzusprechen.
Das amerikanische Wahlvolk ist nun also auch in der Realität angekommen, viel zu spät. Nicht weil es den falschen Präsidenten gewählt hat, auch ich hätte Obama sofort gewählt, einfach wegen der fehlenden Alternative, sondern weil es ihren 44 Präsidenten mit einer Hypothek der Erwartungen überhäuft hat, der er nicht gerecht werden kann. In Deutschland ist das amerikanische Volk als ganzes ja als naiv, kleinkariert und dumpf verschrien (zu unrecht !!). Ironischerweise wurde während des Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten, der Ruf nach einem deutschen Obama hierzulande immer lauter. Die Deutschen haben genug von Politikern, die im Wahlkampf Dinge versprechen die sie nicht halten, deswegen her mit einem Obama. Wir Deutschen sind genau wie die Amerikaner politisch dermaßen oberflächlich, dass wir vermutlich einen Kandidaten Model Obama ähnlich feiern und wählen würden. Arme deutsche Politiklandschaft. Was ist schon die jahrelange Erfahrung einer Merkel, eines Steinmeier oder eines Westerwelle schon wert? Charme, Eloquenz, blinder Wille zum Wandel, das ist es was ein Politikstar braucht.
Auch in Deutschland. Und 2013 vereidigt Horst Köhler Cem Özdemir. Es ist keinesfalls so abwegig, wie es klingt !
Ich stimme zu, dass die Erwartungen an Obama sicherlich nicht nur auf rein politischen Fakten beruhen. Das im Nachhinein aufzudecken wird aber schwer bis garnicht möglich sein, denn er hat in der Wirtschaftskrise einen Verbündeten ungeahnter Stärke gefunden! Ähnlich wie Busch in 9/11 oder Schröder 2002 in der "Flutkatastrophe" (Beides endete bekanntlich mit Wiederwahl). Verlieren kann er schon nicht mehr, denn, egal was er tut, er hat mit Amtsantritt das Erbe einer (wie es mitunter den Eindruck vermitteln kann) sich selbst ausrottenden Bankenwirtschaft erhalten und ist somit in einer ähnlichen Situation wie ein Fussballtorwart der drei Elfmeter gleichzeitig halten soll. Wenn er einen Ball davon zu fassen bekommt wird er schon gelobt werden...
AntwortenLöschenAber auch eine andere Sichtweise sollte in diesem Zusammenhang beleuchtet werden. Es geht im obigen Text auch um das Wahlprogramm von Obama. Dieses mag oberflächlich und auf einen guten Teil Propaganda ausgelegt sein und nur wenige sog. harte Inhalte bieten (um das zu beurteilen habe ich mich zu wenig damit befasst), es gibt aber zwei Fragen die sich daraus ableiten: Die erste ist einfach: Wer tut das nicht? Ein Jede/r tut halt was er/sie kann, besonders im Wahlkampf...
Die zweite hingegen ist nicht einfach in schwarz und weiss zu beantworten: Ist es nicht eben jener geniale Schachzug der am Ende alles verändern kann? Ein "Mann des Volkes" kommt mit den Mitteln der Aristokratie (Propagana) ins Weisse Haus und ist sich nicht zu schade, sich die Hände am Staub der Vorgenerationen schmutzig zu machen! (wie war das mit dem fetten Phrasenschwein?) Was für jeden Republikaner im Land das Todesurteil wäre, dazu ist Obama in Zusammenarbeit mit seinem Image in der Lage, auch international! Ist das nicht eben das was Obama oben als politisches Kapital abgesprochen wird?
Wenn Staat und Volk an einem Strang ziehen ist viel Veränderung möglich. Das Fragezeichen steht dann lediglich hinter dem "wohin" und dem "wie". Ob Obama sich in dieser Hinsicht nun als Despot oder als der Volksvertreter herausstellt den er darstellen will, muss er erst noch beweisen. Und dafür sollte man ihm schon Zeit geben und erst dann bewerten ob das Volk am "Boden der Tatsachen" angekommen ist, oder ob die Presse auf der Suche nach einer neuen Story ist...
Eins bleibt aber Festzuhalten: Wenn die Menschen in Berlin bei einem Besuch des amerikanischen Päsidentschftskandidaten Plakate mit der Aufschrift "Obama for Kanzler" hochhalten kann man wohl nicht viel mehr tun als sich an den Kopf zu greifen...
Ja, was macht es aus, das Phänomen „Barack Obama“? War seine schwarze Hautfarbe wirklich ein Pfund mit dem er wuchern konnte oder war es nicht zu Beginn des Wahlkampfes genau die Frage ob er obwohl er Schwarzer ist überhaupt zum Präsidenten gewählt werden würde? Waren es wirklich seine teilweise doch sehr gewagten Wahlversprechen die die Wähler überzeugten? Hat er überhaupt etwas versprochen, oder hat er die amerikanische Bevölkerung nicht vielmehr mitgenommen auf eine visionäre Reise in eine bessere Zukunft, hat er Träume und Ideale nicht zumindest verbal realisiert? Er hat viele Probleme angesprochen. Er erkennt sie, er visualisiert sie, er bringt sie auf den Punkt, er verspricht sie anzugehen aber verspricht er auch tatsächlich sie zu lösen? Von Beginn an hat er immer vor zu hohen Erwartungen gewarnt, auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung seiner Vorhaben hingewiesen und immer alle Bürger zur Mithilfe aufgefordert, jeden Einzelnen als wichtig für ein aufstrebendes Amerika wahrgenommen, eigenverantwortliches Handeln eingefordert, ja er hat die Menschen mitgenommen auf seinem Weg ins weiße Haus und dies mit einer ganz außergewöhnlichen Mischung unterschiedlichster Charaktereigenschaften, charmant, liebevoll, humorvoll, demütig, verständnisvoll und doch hochintelligent, voller Tatendrang und Elan, durchsetzungsfähig, distanziert, ausdauernd, dominant...und rethorisch so brillant, dass er die Menschen tatsächlich erreicht, man möchte ihn einfach begleiten auf seiner Reise in eine bessere Welt, „ Yes we can“
AntwortenLöschenWas er wirklich erreichen kann und wird während seiner Präsidentschaft wird sich zeigen, ich glaube nicht, dass die Amerikaner tatsächlich so blauäugig sind und glauben es werde alles besser mit einem Präsidenten Obama aber möglicherweise lässt sich mit einer großen Portion Optimismus mehr erreichen als mit Resignation vor dem Establishment.
Ein bisschen mehr Optimismus würde auch uns Deutschen gut tun und wer weiß, vielleicht vereidigt Horst Köhler 2013 ja Karl-Theaodor zu Guttenberg, schau mer mal!